Ich möchte euch an dieser Stelle eine alte Handarbeitstechnik zum Herstellen von Kordeln bzw. Schnüren vorstellen.
Manchen ist die folgende Technik auch als Fingerloop bekannt.
Wozu benötigt man solche Schnüre?
Ab 1200 AD verwendete man sie hauptsächlich zum Verschließen von Kleidungsstücken, zum Annesteln von Ärmeln an westenähnliche Oberteile oder der Beinlinge an die Bruche usw.
Auch konnte man damit Kleidung körperbetonter schnüren (sehr zum Leidwesen der Kirche ;) ).
Ich persönlich verschließe damit auch Beutelchen, Säckchen und anderen Kleinkram, der einer Kordel bedarf.
Nestelschnüre sind im Allgemeinen unheimlich reißfest und je nachdem wie man vorgeht entweder recht dehnbar oder starr.
Material:
Im Prinzip kann man mit allen möglichen Schnüren nesteln. Wichtig ist, dass sie nicht zu rauh sind (sonst hat man schnell blutige Finger) und nicht zu dünn. Geeignet sind Leinen- und Wollgarne – hier gibt es erhebliche Unterschiede. Ein reines Schurwollgarn hielt bei mir nie lange stand. Auch wenn es nicht mehr authentisch ist, bin ich zu Mischfasern übergegangen. Natürlich kann man auch selbstgesponnenes Wollgarn nehmen, sofern man genügend auf der Spule hat.
Die Technik/Möglichkeiten
– gerade Anzahl Schnüre (Maximum 8 Schlaufen) >> “Kreuzen”
– ungerade Anzahl Schnüre (Maximum 7 Schlaufen) >> “Weben”
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Grenzen des Nestelns
Nun ist es leider so, dass eine solche Schnur nicht beliebig lang genestelt werden kann. Häufig reißt die Wolle, da sie durch das Ziehen und die Reibung aneinander sehr dünn wird und dem Vorgang nicht Stand hält.
Eine Schnur von ca. 1,50m stellt man am Besten immer zu Zweit her, da man meist die Arme nicht so weit auseinander machen kann, wie man gern möchte
In dieser Formation nestelt einer am “Ende” der Schnur und der andere klopft den Anfang fest. So bleiben die Muster gleichmäßig und das Band von Beginn an fest.